Unter dem unmittelbaren Eindruck der Verhängung des Kriegsrechts in Polen 1981 fertigte Felix Droese ein Konglomerat mehrerer Skizzen (Aquarell auf Papier) an. Sechs von ihnen befinden sich, gemeinsam gerahmt, in Pax Christi. Sie sind als künstlerische Reaktion auf eine politische Ausnahmesituation zu verstehen und verbinden subjektive Betroffenheit mit einer prägnanten, zeichenhaften Bildsprache.
Jedes Blatt zeigt eine einzelne Figur oder figürliche Konstellation, reduziert auf wenige, energisch gesetzte Linien. Körper erscheinen fragmentiert, gebeugt, gefesselt oder in spannungsvoller Bewegung erstarrt. In manchen Darstellungen wirkt die Figur in sich zusammengesunken, in anderen scheint sie von äußeren Kräften bedrängt oder durchkreuzt. Ein Blatt erscheint wie eine Studie zur sich in Pax Christi befindenden Wandarbeit „Mutter/ Hungertuch“. Die expressive, teils kratzend erscheinende Linienführung verleihen den Zeichnungen eine nervöse, beinahe verletzliche Intensität. Der ausführende Duktus bleibt sichtbar als unmittelbare Spur der Hand – schnell, suchend, nicht glättend.
Im Fehlen konkreter politische Embleme, zusammen mit der Reduktion auf archetypische Haltungen und dem expressiv-suchenden Duktus, wird das historische Ereignis in eine allgemeinere Reflexion über Gewalt, Unterdrückung und menschliche Würde überführt – und implizit in die Frage ihrer Darstellbarkeit.
