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Kreuzstein, von Thomas Virnich - 1993

Rechteckige Keramikplastik mit Silhouette eines Gekreuzigten

Die kleinformatige Plastik von Thomas Virnich zeigt einen annähernd kubischen Block, dessen Oberfläche rau und von sichtbaren Bearbeitungsspuren geprägt ist. In seine Front ist die Silhouette einer gekreuzigten Figur vertieft eingelassen. Die Gestalt erscheint als Negativform, als Abdruck einer zuvor modellierten kleinen Skulptur in den noch formbarem Ton.

Formal lebt das Werk vom Kontrast zwischen der kompakten Geschlossenheit des Blocks und der ausgreifenden, nach oben strebenden Figur. Die Arme sind weit ausgespannt, der Körper schmal und vertikal akzentuiert. Dennoch bleibt die Figur fragmentarisch; sie ist nicht ausgearbeitet, sondern erscheint als Spur, als Hohlform im massiven Körper des Tonsteins. Dadurch verschiebt sich der Fokus von der Darstellung eines Gekreuzigten hin zur Frage nach Abdruck, Erinnerung und Transformation von Materie.

Diese Dialektik von Volumen und Leerstelle ist charakteristisch für Virnichs Œuvre. In seinen Skulpturen und Objekten untersucht er immer wieder das Verhältnis von Körper und Raum, die Verbindung von Präsentem und  Anwesendem – so auch in der Arbeit „Verlorene Form“, die in der Grünanlage von Pax Christi aufgestellt ist.